Viele Unternehmen stehen an demselben Punkt:
„Wir müssten mal was automatisieren, aber womit fangen wir an?“
Die gute Nachricht:Sie müssen nicht direkt einen kompletten End-to-End-Prozess digitalisieren. Der sinnvollste Einstieg ist meistens eine kleine, klar umrissene Automatisierung, die schnell Wirkung zeigt und Ihnen hilft, Erfahrung zu sammeln.
In diesem Artikel führe ich Sie in 5 Schritten von „vage Idee“ zu „funktionierender Automatisierung“, z. B. mit Power Automate oder, je nach Systemlandschaft, auch mit Zapier oder Make.
Schritt 1: Schmerzpunkte & manuelle Prozesse identifizieren
Bevor Sie über Tools nachdenken, geht es um eine einfache Frage:
Wo entsteht bei uns jeden Tag unnötige, wiederkehrende Arbeit?
Typische Kandidaten:
- E-Mails werden regelmäßig abgetippt (z. B. aus Formularen oder Systemen).
- Dateien werden ständig von A nach B verschoben (E-Mail → Dateiserver → SharePoint).
- Informationen werden in mehreren Systemen doppelt gepflegt.
- Mitarbeitende müssen häufig nachhaken („Hast du schon freigegeben?“, „Ist das erledigt?“).
- Erinnerungen und Fristen hängen im Kopf einzelner Personen oder in verstreuten Excel-Dateien.
So gehen Sie konkret vor
- Sprechen Sie mit 3–5 Personen aus unterschiedlichen Bereichen (Backoffice, Vertrieb, HR, IT).
- Stellen Sie Fragen wie:
- „Welche Tätigkeiten nerven dich regelmäßig?“
- „Wo hast du das Gefühl, immer wieder das Gleiche zu tun?“
- „Welche Aufgaben würdest du am liebsten an einen Roboter abgeben?“
- Notieren Sie konkret wiederkehrende Tätigkeiten und nicht abstrakte Probleme wie „Kommunikation könnte besser sein“.
Ergebnis von Schritt 1: Sie haben eine Liste von 5–15 manuellen Tätigkeiten, die immer wieder vorkommen und potenziell automatisierbar sind.
Schritt 2: Quick Wins auswählen (wenige Beteiligte, klarer Ablauf)
Nicht jeder Prozess eignet sich als Einstieg. Wählen Sie für die erste Automatisierung einen Quick Win:
Lieber klein, überschaubar und erfolgreich, als direkt das komplexeste Thema des Unternehmens.
Kriterien für einen guten Startprozess
- Wenige Beteiligte: Idealerweise 1–3 Rollen, kein Prozess mit 10 Abteilungen und 5 Eskalationsstufen.
- Klare Regeln: Sie können den Ablauf in wenigen Sätzen beschreiben: „Wenn X passiert, soll Y passieren und im Zweifel entscheidet Person Z.“
- Hohe Wiederholrate: Die Aufgabe kommt täglich oder wöchentlich vor, nicht einmal im Quartal.
- Überschaubare Risiken: Wenn etwas schiefgeht, ist es unangenehm, aber kein Fiasko.
Beispiel für Quick Wins
- E-Mail-Anhänge automatisch ablegen
- Erinnerungen für Fristen/Follow-ups
- Tickets/Anfragen nach Kategorie verteilen
- Standard-Mails automatisch versenden
Ergebnis von Schritt 2: Sie haben 1–2 konkrete Szenarien, mit denen Sie starten möchten, inklusive grober Beschreibung: „Wann passiert was? Wer ist beteiligt?“
Schritt 3: Tool-Entscheidung – Power Automate oder Zapier/Make?
Erst jetzt wird die Tool-Frage wirklich relevant.
Eine einfache Daumenregel:
- Schwerpunkt auf Microsoft 365 (Outlook, SharePoint, Teams, Planner, OneDrive)?→ Starten Sie mit Power Automate.
- Stark verteilte Cloud-Landschaft mit Tools wie HubSpot, Pipedrive, Notion, Google Workspace, Marketing-Tools? → Prüfen Sie Zapier oder Make zusätzlich oder alternativ.
Wann Power Automate ideal ist
- Ihre wichtigsten Daten liegen in Microsoft 365.
- Sie möchten, dass Prozesse innerhalb Ihrer bestehenden IT- und Sicherheitsrichtlinien laufen.
- Sie planen mittelfristig, auch andere Power-Platform-Komponenten (Power Apps, Power BI) einzusetzen.
Typische Start-Szenarien:Dokumentenablage, Freigaben, interne Benachrichtigungen, Listen-Workflows.
Wann Zapier/Make sinnvoll sind
- Sie nutzen viele Cloud-Dienste außerhalb von Microsoft, z. B. CRM, Marketing-Automation, Webshop, Support-Tools.
- Sie wollen schnell Daten zwischen verschiedenen Plattformen austauschen.
- Fachbereiche sollen selbst einfache Abläufe bauen können (z. B. Marketing mit Zapier).
Typische Start-Szenarien:Formulare → CRM → Newsletter-Tool, Webshop → Google Sheets, Lead-Benachrichtigungen.
Kombination ist erlaubt
Oft ist die beste Lösung eine Kombination:
- Zapier/Make als Integrations-Hub für externe Tools
- Power Automate für interne Prozesse in Microsoft 365
Ergebnis von Schritt 3: Sie haben sich für eine Plattform entschieden (oder eine Kombination) und wissen: „Diesen Prozess wollen wir mit diesem Tool abbilden.“
Schritt 4: Prototyp bauen & mit kleinem Team testen
Jetzt wird es konkret: Es geht nicht direkt um die „perfekte“ Lösung, sondern um einen funktionierenden Prototypen.
Ziel: In wenigen Tagen einen Flow, der 80–90 % des Prozesses sinnvoll abbildet.
Vorgehen beim Prototypen
- Trigger definieren
- Was löst den Ablauf aus?
- Beispiel: „Neue E-Mail im Postfach X“, „Neuer Eintrag in SharePoint-Liste Y“, „Formular abgeschickt“.
- Aktionen skizzieren
- Welche Schritte sollen automatisch passieren?
- Beispiel: Anhang speichern, Datensatz anlegen, Benachrichtigung senden, Freigabe anfordern.
- Minimalversion bauen
- Nur die wichtigsten Schritte implementieren.
- Fehlerbehandlung, Sonderfälle, Logging können später ergänzt werden.
- Mit kleinem Team testen (Pilotgruppe)
- 2–3 Nutzer:innen ausprobieren lassen.
- Feedback einholen: „Was ist hilfreich? Was irritiert? Was fehlt?“
Praxis-Tipp
Dokumentieren Sie auf einer halben Seite:
- Zweck der Automatisierung
- Wer ist beteiligt?
- Was darf der Flow automatisch entscheiden, und wo braucht es eine manuelle Entscheidung?
Das hilft enorm, Missverständnisse zu vermeiden, besonders später beim Rollout.
Ergebnis von Schritt 4: Ein laufender Prototyp, der den Kernprozess abbildet und im Alltag getestet wird.
Schritt 5: Rollout, Monitoring & nächste Iterationen
Wenn der Prototyp im kleinen Rahmen funktioniert, geht es an den Rollout und an die kontinuierliche Verbesserung.
5.1 Rollout planen
- Zielgruppe definieren: Wer soll die Automatisierung nutzen? Nur ein Team oder mehrere Abteilungen?
- Kurze Einführung: Eine 20–30-minütige Demo reicht oft:
- Was macht die Automatisierung?
- Wo sehe ich Ergebnisse (z. B. Ablageort, Listen, Teams-Nachrichten)?
- Was passiert im Fehlerfall?
- Anleitung bereitstellen: 1–2 Seiten mit Screenshots sind meist völlig ausreichend.
5.2 Monitoring & Fehlerbehandlung
Automatisierungen sind keine „Fire-and-Forget“-Lösungen. Gerade am Anfang sollten Sie:
- regelmäßig prüfen, ob Flows fehlerfrei laufen,
- Fehler-Notifications sinnvoll einrichten (z. B. an eine Sammeladresse oder ein Teams-Team),
- beobachten, wie oft der Flow ausgelöst wird (Nutzungshäufigkeit).
5.3 Iterationen einplanen
Nach einigen Wochen sind Sie in einer super Position:
- Sie wissen, ob und wie viel Zeit die Automatisierung spart.
- Sie sehen, wo Nutzer:innen noch manuell eingreifen müssen.
- Sie erkennen, welche Sonderfälle häufiger auftreten.
Darauf basierend können Sie:
- zusätzliche Schritte ergänzen (z. B. weitere Kategorien, Eskalationen),
- den Flow robuster machen (z. B. bessere Fehlerbehandlung, Logging),
- ähnliche Prozesse nachziehen („Das gleiche brauchen wir auch in Abteilung X“).
Ergebnis von Schritt 5: Ihre erste sinnvolle Automatisierung läuft im Alltag, wird überwacht und Schritt für Schritt verbessert und Sie haben eine Blaupause für weitere Projekte.
Fazit: Der Weg zur ersten sinnvollen Automatisierung
Wenn man den Prozess herunterbricht, sieht er gar nicht mehr so groß aus:
- Schmerzpunkte identifizieren: Wo nervt wiederkehrende Arbeit?
- Quick Win auswählen: Klein anfangen, aber mit klarem Nutzen.
- Passende Plattform wählen: Power Automate, Zapier, Make (oder Kombination).
- Prototyp bauen & testen: Schnell ins Machen kommen.
- Rollout & Iteration: Pragmatisch verbessern.
So entstehen aus „Wir müssten mal was automatisieren“ sehr konkrete Ergebnisse:Weniger Routinearbeit, weniger Fehler, mehr Zeit für die wirklich wichtigen Aufgaben.
Wie ich Sie dabei unterstützen kann
Genau an dieser Stelle begleite ich Unternehmen mit Leanflow Consulting:
- Aufnahme Ihrer aktuellen Prozesse und Schmerzpunkte
- Auswahl von geeigneten Quick-Wins
- Entscheidung: Power Automate, ggf. in Kombination mit Zapier/Make
- Umsetzung eines ersten Ende-zu-Ende-Prototyps
- Begleitung beim Rollout und Know-how-Transfer an Ihr Team
In einem kostenlosen Erstgespräch (ca. 30 Minuten) klären wir:
- Welche manuellen Aufgaben bei Ihnen die meiste Zeit fressen
- Welche 1–2 Automatisierungen sich als Startprojekt anbieten
- Welche Plattform(en) in Ihrer Systemlandschaft am meisten Sinn ergeben
Wenn Sie möchten, können wir auf dieser Basis innerhalb weniger Wochen die erste Automatisierung live bringen, die sich messbar bezahlt macht.